Die französische Gesundheitsbehörde Anses hat kürzlich eine neue Studie zu Vaping-Produkten und E-Zigaretten veröffentlicht. Der Bericht wurde mit grossem Interesse erwartet und hat in den Medien für zahlreiche Reaktionen gesorgt. Liest man jedoch die tatsächlichen Schlussfolgerungen, wird deutlich: Die Kernaussage ist klar – und insgesamt beruhigend.
Zum heutigen Stand bleibt die E-Zigarette eine deutlich weniger schädliche Alternative im Vergleich zu herkömmlichem, gerauchtem Tabak. Sie wird in erster Linie von erwachsenen Raucherinnen und Rauchern genutzt, die ihren Tabakkonsum reduzieren oder ganz mit dem Rauchen aufhören möchten. Der Bericht der Anses stellt diese Realität nicht infrage.
Was der Anses-Bericht zusammengefasst festhält:
- Die E-Zigarette ist hinsichtlich der Gesundheitsrisiken nicht mit gerauchtem Tabak vergleichbar.
- Es wurden keine schwerwiegenden gesundheitlichen Warnsignale identifiziert, die dem Risiko von Zigaretten entsprechen.
- Bis heute konnte kein Krebsfall eindeutig auf das Dampfen zurückgeführt werden.
- Die Belastung durch toxische Stoffe ist im Vergleich zum Zigarettenrauch deutlich reduziert.
- Die Vape wird vor allem von Raucherinnen und Rauchern als Hilfsmittel zur Reduktion oder zum Ausstieg aus dem Tabakkonsum genutzt.
Eine wissenschaftliche Expertise auf Basis tausender Studien
Die Anses ist das französische Pendant zum Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz. Für diese umfassende Bewertung der E-Zigarette und Vape-Produkte wurden rund 2’500 internationale Studien ausgewertet – mit Daten, die bis ins Jahr 2024 aktualisiert wurden.
Ziel des Berichts war es weder, die E-Zigarette zu dramatisieren noch zu verharmlosen, sondern den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse möglichst präzise darzustellen. Das zentrale Ergebnis dieser Analyse ist klar: Beim Dampfen ist die Belastung durch toxische Stoffe deutlich geringer als beim Rauchen herkömmlicher Zigaretten.
Vape und Tabak: eine klare Risikohierarchie
Ein zentraler Punkt des Berichts – der teilweise missverstanden wird – ist die klare Risikohierarchie zwischen E-Zigarette und Tabak.
Die klassische Zigarette ist vor allem wegen der Verbrennung gefährlich. Beim Verbrennen von Tabak entstehen tausende chemische Substanzen, darunter zahlreiche Stoffe, die mit Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schweren Atemwegserkrankungen in Verbindung stehen.
Die Vape bzw. E-Zigarette funktioniert ohne Verbrennung. Stattdessen wird ein Liquid erhitzt und verdampft. Dadurch entsteht deutlich weniger Schadstoffbelastung, da die bei der Verbrennung typischen toxischen Nebenprodukte weitgehend wegfallen. Genau dieser fundamentale Unterschied erklärt, weshalb die E-Zigarette in allen bisherigen Bewertungen als deutlich weniger schädliche Alternative für erwachsene Raucherinnen und Raucher eingestuft wird.
Mehr als 15 Jahre Erfahrung ohne gravierende gesundheitliche Warnsignale
Die E-Zigarette wird seit über 15 Jahren in zahlreichen Ländern genutzt. Dieser Zeitraum erlaubt es heute, die gesundheitlichen Auswirkungen des Dampfens mit deutlich mehr wissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen als noch in den Anfangsjahren.
Wie der Bericht der Anses betont, wurde bislang kein gravierendes gesundheitliches Signal festgestellt, das mit den Risiken des Rauchens vergleichbar wäre. Bei herkömmlichen Zigaretten zeigten sich schwerwiegende Gesundheitsfolgen bereits relativ früh: ein deutlicher Anstieg von Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden und schweren Atemwegserkrankungen.
Bei der Vape wurde eine vergleichbare Entwicklung nicht beobachtet. Das bedeutet nicht, dass die Forschung abgeschlossen ist oder sämtliche Langzeitwirkungen vollständig bekannt sind. Es zeigt jedoch klar, dass sich die Risiken auf einem nicht vergleichbaren Niveau zur Tabakverbrennung bewegen.
Diese Erkenntnisse helfen, die E-Zigarette realistisch in die Risikohierarchie einzuordnen – fernab von vereinfachenden oder emotional geführten Debatten.
Kardiovaskuläre Effekte: bekannte und begrenzte Auswirkungen
Wie andere Gesundheitsbehörden weist auch die Anses auf bestimmte kurzfristige kardiovaskuläre Effekte hin, etwa eine leichte Erhöhung der Herzfrequenz oder des Blutdrucks.
Diese Effekte stehen in erster Linie im Zusammenhang mit Nikotin, einer Substanz, deren Wirkungen wissenschaftlich gut dokumentiert sind. Der Bericht zeigt jedoch keine Hinweise auf chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei ausschliesslichen Dampferinnen und Dampfern.
Auch in diesem Punkt wird deutlich: Das Risikoniveau ist nicht mit demjenigen des Rauchens vergleichbar. Die Verbrennung von Tabak bleibt der entscheidende Faktor für die schwerwiegenden kardiovaskulären Schäden beim Rauchen.
Aus respiratorischer Sicht: kein alarmierendes Signal festgestellt
Einige Studien berichten von Reizungen oder Husten bei bestimmten Nutzerinnen und Nutzern, insbesondere zu Beginn der Anwendung. Laut Anses liegen die verfügbaren Daten jedoch weit entfernt von den schweren Erkrankungen, die durch das Rauchen verursacht werden.
Ein klarer Zusammenhang zwischen der E-Zigarette und chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD oder Lungenkrebs, wie sie durch Tabakkonsum entstehen, konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
Krebs: Die Vape ist nicht der eigentliche Gegner
Beim Thema Krebs – oft ein zentraler Punkt der Verunsicherung – ist der Bericht der Anses eindeutig. Bislang konnte in keiner Studie am Menschen nachgewiesen werden, dass die E-Zigarette Krebs verursacht.
Vor allem betont die Anses, dass kein mit dem Rauchen vergleichbares Risikosignal festgestellt wurde. Bei herkömmlichen Zigaretten sind die Zusammenhänge zwischen Verbrennung, der Belastung durch krebserregende Stoffe und der Entstehung von Krebs seit Jahrzehnten wissenschaftlich klar belegt. Bei der Vape hingegen wurde trotz mehr als fünfzehn Jahren Nutzung nichts Vergleichbares beobachtet.
Nach aktuellem Stand der Wissenschaft liegt die E-Zigarette in Bezug auf das Krebsrisiko deutlich unter den bekannten Risiken des Tabakrauchens. Die verfügbaren Daten zeigen klar eine sehr grosse Distanz zu den krebserregenden Gefahren, die mit der Verbrennung von Tabak verbunden sind.
Vape und Schwangerschaft: gezielte Vorsicht
Die Anses widmet einen Teil ihres Berichts der Exposition während der Schwangerschaft. Die ausgewerteten Studien beziehen sich in erster Linie auf Nikotin, das für seine Auswirkungen auf die Entwicklung des Fötus bekannt ist. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft gibt es jedoch keine belastbaren Daten, die einen klaren Zusammenhang zwischen dem Gebrauch der E-Zigarette und Schwangerschaftskomplikationen beim Menschen belegen.
Aus Vorsorgegründen empfiehlt die Anses dennoch, während der Schwangerschaft auf das Dampfen zu verzichten. Für schwangere Raucherinnen bleibt das oberste Ziel der Rauchstopp, idealerweise mit einer angemessenen medizinischen Begleitung.
Aldehyde: Worum geht es wirklich?
Aldehyde werden in besonders alarmistischen Schlagzeilen häufig hervorgehoben. Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die entstehen können, wenn E-Liquids erhitzt werden.
Die Anses stellt jedoch klar, dass die in der Dampfphase von E-Zigaretten gemessenen Mengen in keinem Verhältnis zu den Konzentrationen im Zigarettenrauch stehen. Die beobachteten Werte liegen in der Regel 80 % bis über 90 % niedriger als bei herkömmlichen Tabakzigaretten.
Über diese Stoffe zu sprechen, ohne die tatsächlichen Expositionswerte und den direkten Vergleich mit Tabak zu berücksichtigen, führt zu einer verzerrten Darstellung der Realität. Entscheidend ist nicht nur das Vorhandensein einer Substanz, sondern vor allem ihre Konzentration und das damit verbundene Risiko.
Vape als Instrument zur Rauchentwöhnung – weiterhin sinnvoll
Der Bericht der Anses verharmlost die E-Zigarette nicht und ruft für bestimmte Zielgruppen wie Jugendliche und Schwangere zu Vorsicht auf. Er betont, dass die E-Zigarette kein harmloses Konsumprodukt ist und entsprechend reguliert bleiben soll.
Gleichzeitig hebt der Bericht jedoch einen zentralen Punkt hervor, der in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Bis heute wurde kein grösseres gesundheitliches Warnsignal identifiziert, das mit den Risiken des Tabakrauchens vergleichbar wäre. Zudem bleibt die Belastung durch toxische Stoffe im Vergleich zur herkömmlichen Zigarette deutlich geringer.
Indem die Anses daran erinnert, dass rund 98 % der erwachsenen Dampferinnen und Dampfer ehemalige oder aktuelle Raucher sind, ordnet sie die Vape in ihren realen Nutzungskontext ein: als Instrument für Raucherinnen und Raucher.
Vor diesem Hintergrund erscheint die E-Zigarette als pragmatische Option zur Unterstützung beim Rauchstopp – insbesondere für Personen, denen der Ausstieg mit anderen Methoden nicht gelingt. Die Studie rückt damit das eigentliche gesundheitspolitische Kernproblem wieder in den Fokus: die Bekämpfung des Tabakkonsums.
Quelle: Anses – Bewertung der Risiken im Zusammenhang mit E-Zigarettenprodukten. Vollständigen Bericht als PDF ansehen.